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Iran - 13.10.2015

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13.10.2015
Wer kennt nicht den historischen Roman „Der Medicus“ von Noah Gordon. In diesem Roman reist im 11. Jahrhundert ein junger Mann von London nach Isfahan um beim großen Heiler Avicenna, genannt Ibn Sina, Medizin an der Madrassa zu studieren. In England, zur damaligen Zeit, ein Ding der Unmöglichkeit. Ibn Sina sein „Kanon der Medizin“ wurde fast 2 Jahrhunderte lang als  medizinisches Nachschlagewerk und Lehrbuch an den Universitäten insbesondere in Europa verwendet. Er galt ebenso als einer der bekanntesten und einflussreichsten Philosophen seiner Zeit. In einen seiner Bücher schreibt er:  „Fanatismus auf dem Gebiet von Wissen und Philosophie ist wie jeder andere Fanatismus ein Zeichen für Unreife und Mängel und schadet immer der Wahrheit.“ Jetzt schweife ich wohl doch zu sehr ab. Aber eines ist unumkehrbar: Ich bin in Isfahan!
Der heutige Tag beginnt, nach dem Frühstück, um 08:30 Uhr mit dem Besuch des Imam Platzes - Meidān-e Emām. Dazu benötigen wir nur 10 Minuten mit dem Bus. Der heutige Imam Platz hatte im Laufe der Jahrhunderte schon mehrere Namen. Von 1590 bis 1595 ließ Shah Abbas I. diesen Platz erbauen und gab ihm den Namen Meidān-e Naghsh-e Jahan (Spiegelbild der Welt). Später wurde er auch Meidān-e Schāh (Schah-Platz) genannt. Den heutigen Namen bekam der Platz erst nach Gründung der Islamischen Republik Iran in Ehrung des Ajatollah Imam Chomeinis - Meidān-e Emām. Das rechteckige Areal misst 560 m in der Länge und 160 m in der Breite. Umrahmt wird der Platz von einem zweistöckigen Gebäudekomplex welcher wiederum die wichtigsten Bauwerke des Platzes miteinander verbinden. Den Anfang unserer Besichtigung dieser Bauwerke macht der im Westen befindliche Ali Qapu Palast oder auch Torpalast. Das 5 geschossige Gebäude mit einer Gesamthöhe von 68 m bildete den repräsentativen Zugang zum Palastgelände.  IMG_4560 Der dem Platz zugewandte Vorbau besitzt eine überdachte Aussichtsplattform. Hier versammelte sich früher der Hofstaat, um den Veranstaltungen auf dem Gelände zuzuschauen. Im obersten Stockwerk befindet sich ein kreuzförmig angelegter Saal über deren Mitte sich ein Lichtturm erhebt. Die oberen Wände und Gewölbe des kreuzförmig angelegten Saales sind mit Gipsverschalungen verkleidet in die die Umrisse von Gefäßen verschiedenster Form und Größe eingeschnitten wurden. IMG_4566 Die darin untergebrachten Behältnisse wirkten zusätzlich zu der ohnehin schon einmaliger Akustik noch Klangverstärkend. Darum erhielt dieser Saal auch zurecht den Namen Musikzimmer.
Wir verlassen nun den Ali Qapu Palast und wenden uns der direkt gegenüberliegenden Shaikh Lotfollah-Moschee zu. Es ist ein Traum! Bereits von außen verzaubert diese Moschee den Besucher durch kostbare intensiv leuchtende und kobalthaltige dunkelblaue Kacheln.IMG_4567 IMG_4573 Alles wirkt sehr edel. Und Innen setzt sich die Schönheit fort. Unsere Reiseleiterin stoppt kurz nach dem Betreten unsere Gruppe: „Bitte jetzt die Fotographen!“IMG_4577 IMG_4579 Also nutzen wir, mit den teuren Kameras behängten Touristen, dieses Privileg und können ungestört den schön beleuchteten Eingang zur eigentlichen Moschee ablichten. Die Mosaiken sind in ihrer Vielfalt wirklich beeindruckend. Aber alles überragend, und mir selbst fast den Atem nehmend, ist die wundervolle Innenkuppel im Gebetssaal. So etwas Schönes an Architektur habe ich noch nie gesehen. Neben dem vorherrschenden Blau sind auch viele Elemente aus dem rötlichen Ocker gearbeitet. Ein Hinweis auf die hauptsächlich von den Frauen genutzte private Moschee der Herrscherfamilie.
IMG_4585 IMG_4590 Gibt es noch eine Steigerung? Weiter geht es zu der am südlichen Ende des Imam Platzes gelegene Masdjid-e Imam, die königliche Moschee Shah Abbas des Großen. Leider hat der große Herrscher die Fertigstellung nicht mehr erleben dürfen.IMG_4594 IMG_4602 Er starb bereits ein Jahr vor der Vollendung. Die Imam-Moschee besitzt zusätzlich eine Medresse-Funktion, ist also neben dem Gebet eine öffentliche Lehranstalt im Islam oder auch eine Art Hochschule der theologischen und juristischen Lehre. Auch hier sind alle Wände mit blau-gelb-grünen Fliesen bedeckt. Die Moschee besitzt eine hervorragende Akustik. Ali, unser iranische Reiseleiter, gibt uns dazu eine Kostprobe. Sein Gebetsgesang überrascht nicht nur uns sondern auch andere umstehende Touristen. Es gibt spontanen Beifalls - obwohl in diesem Fall nicht angebracht, weil es keine Künstlervorstellung war. Ich bin dankbar und tief  beeindruckt! Etwas Kurioses ist im Hintergrund zu sehen. Auf einer Hebebühne, welche sich abenteuerlich an einem langen Metallarm in schwindelerregende Höhe befindet, ist ein Iraner fleißig dabei die Mosaiken zu putzen. Dabei schwankt die ganze Konstruktion mal einen Meter nach links und dann wieder nach rechts. Ich hoffe, dass diese Reinigungsmethode von der Sicherheitsbehörde auch so zugelassen ist.IMG_4605 IMG_4607 Wir verlassen die Gebetshalle und gelangen über die Säulenhallen zu den Medressen. Es ist heute wirklich sehr heiß aber zum Glück stehen im Hof Schatten spendende Bäume. Von hier aus lässt sich die prächtige blaue Kuppel der Moschee vorteilhaft fotografieren. Wenn da nicht das blöde Baugerüst auf der Kuppel wäre. Echt schade. Es dauert nicht lange, da gesellt sich ein Mullah (oder einer auf dem Weg zu einem Mullah) zu unserer Reisegruppe. Als erstes bietet er uns Süßigkeiten an. Die kleinen Schokoriegel mit dem im „Westen“ bekannten Markennamen (oder sind es nachgemachte?) dienen als Einladung für uns. Wir dürfen ihm Fragen auf Englisch stellen und alle Fragen werden freundlich beantwortet.
Zum Mittagessen fahren wir zum noblen Abbasi Hotel. Dieses im ganzen Iran bekannte Hotel besitzt eine Geschichte, welche bis ins 17. Jahrhundert – damals noch als Karawanserei -  zurückreicht.
Nach der Mittagspause ist shoppen angesagt. Vom ersten Hotel am Platz fahren wir zum teuren Teppichladen. Echte Perserteppiche in allen Formen, Größen und Farben werden uns präsentiert. Die Verkäufer versuchen sich in Psychologie und Wissensvermittlung. Und sie haben damit Erfolg. Nicht jedoch bei mir. Aber die tollen Seidenteppiche …., nein lieber nicht.IMG_4610 IMG_4611 Ein kleines Vermögen kosten schon diese kleinen Dinger und wer was anständig Großes haben möchte, der bezahlt entsprechend auch ein richtig großes Vermögen. Das ist nicht meine Liga! Weiter geht es zu einem Geschäft mit Miniaturmalereien am Basar. Der Künstler gibt uns eine Kostprobe seines Könnens. Gemalt wird nach alter Tradition auf Kamelknochen. Anschließend darf man sich umschauen und nach Möglichkeit kaufen. Auch hier finde ich nichts für meinen bescheidenen Geldbeutel. Echtes Kunsthandwerk hat eben auch seinen Preis. Geht es auch noch etwas preiswerter? Ja, es geht.IMG_4615 Der nächste Laden ist meiner! Hier wird ein einfaches Handwerk betrieben. Die Stoffdruckerei. Es ist schon erstaunlich, was diese Künstler (Handwerker) mit einfachen Stempeln für tolle Motive auf den Stoffdecken zaubern. Und jedes Teil kostet nur wenige Euro. Da schlägt der Schnäppchenjäger doch gerne zu. Ich lass mir gleich drei dieser Dinger in verschiedenen Größen eintüten. So, dass wäre geschafft. Weiter durch den Basar schlendernd füllen sich meine Einkaufstüten noch mit Safran, Pistazien und Süßigkeiten welche in allen erdenklichen Formen überall angeboten werden.   
Zurück zum Hotel werde ich nach dem Abendessen von einer lieben Mitreisende aus unserer Gruppe gefragt, ob ich denn schon die berühmten Brücken von Isfahan gesehen habe. Na wann denn? Sie, als Irankennerin, macht sofort das Angebot, die 5 Minuten Fußweg mit mir zusammen zu gehen, um mir auch noch diese Berühmtheit zu zeigen. Und tatsächlich, da ist sie. Die Brücke, über einen Fluss leider ohne Wasser,  welche schon so oft abgelichtet wurde und auch ein Wahrzeichen von Isfahan ist.


Aktualisiert ( Sonntag, den 24. April 2016 um 17:51 Uhr )  

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